Der Posaunenchor 

Die Vereinsgeschichte von damals bis heute

 

Die Pfarrer

Chantré

1906 – 1942

 

Irle

1944 – 1956

 

Hauf

1956 - 1971

Hilß

1971 - 1998

Schauß

1999 - 2020

Die Dirigenten

Engelmann

1922 etwa 30 Stunden

Kühne u. Weyrich

1923 - 1937

Krämer

1937 - 1939

Weber

1946 - 1970

Schäfer, Ludwig

1971 - 1996

Mitesser

1996 - 2001

Krisat

Sept. 2001 - 2002

Schäfer, Ludwig

2003

Wafzig

2004 - heute

Der Posaunenchor bei seinem Frühlingskonzert 2018

Als Gründungstag für den evangelischen Posaunenchor Flonheim wird der 4. März 1922 genannt. Damals begaben sich neun Männer über den Berg nach Erbes-Büdesheim, um dort bei Herrn Engelmann die Grundkenntnisse für das Spielen eines Blasinstrumentes zu erwerben. Genau diese neun Männer werden als die Gründer des Posaunenchores bezeichnet:

Michael Stumpf, Philipp Sparrenberger, Fritz Müller, Franz Matteis, Johann Christ, Ludwig Mann, Philipp Rupp, Georg Stumpf, Heinrich Schmahl

Ihr unerschütterlicher Glaube an das Gelingen und ein eiserner Wille, ließen sie bis zum Ende 1922 durchhalten. Ab 1923, mittlerweile waren Jakob Dechent, Johann Grünewald, Jakob Müller, Karl Schön, Martin Schön und Heinrich Dürk auch aktiv, fanden die Übungsstunden in dem Saal über der Kinderschule in Flonheim statt, als Dirigent wirkte Herr Kühne aus Armsheim. Der Militärmusiker legte auch den Grundstein für die Notenschreibweise im Verein.

 

 

 

 

 

Der Chor war damals ein Verein mit aktiven und auch inaktiven Mitgliedern. In den Statuten zu dieser Zeit sind einige interessante Dinge zu lesen. So mussten neue Mitglieder damals einen Antrag für die Aufnahme stellen, über den in einer geheimen Wahl unter den Aktiven abgestimmt wurde. Nur wer eine 2/3 Mehrheit erreichte wurde schließlich aufgenommen. Sobald der Anwärter in den Aktivenstand gehoben war, verpflichtete er sich damit zu einer 5-jährigen Mitgliedschaft, soweit er ortsansässig war. Und auch das Absagen der Musikstunde, oder das unentschuldigte Fehlen war damals nicht ganz so einfach, wie es das heute ist. Unbegründetes Ausscheiden, sowie Fehlen in der Probe wurde mit Strafen, sogar bis zum Ausschluss, geahndet.

Aus dem Protokoll der ersten Generalversammlung geht hervor, dass der Chor seinen ersten Unterhaltungsabend in der Turnhalle am 24. Februar 1924 hatte. Erster Vorsitzender war damals, wie es die Statuten vorschrieben, Pfarrer Chantré, Chorleiter Georg Stumpf und Dirigent Herr Kühne. In den weiteren vier Generalversammlungen, die in diesem Jahr noch abgehalten wurden, waren neben der Mitwirkung bei dem Unterhaltungsabend des Damenkirchenchores in Lonsheim und dem 80jährigen Bestehen des Männergesangverein 1844 Flonheim, auch der Bau eines eigenen Vereinsheimes ein Punkt auf der Tagesordnung. Ein bereits gebildeter Bauausschuss setzte sich folgendermaßen zusammen: Johann Braun (Maurer); Karl Schön, Eugen Roos, Karl Roos (Schreiner); Johann Schmitt (Steinbruchbesitzer); Wilhelm Schneider, Karl Bley und Johann Geier (Zimmermänner).

Einer der ersten Höhepunkte in der Geschichte des Vereins ist die Ausrichtung des Verbandsposaunenchorfestes am zweiten Pfingsttag 1928. Mittlerweile bezeichnete man auch den Saal des Mitgliedes Wilhelm Stofft (Wirtschaft „Zum Adler“) als Vereinsheim. Der Neubau eines eigenen Raumes war auf unbestimmte Zeit verschoben. 1929 wurde in der Generalversammlung am 18. Januar Fritz Müller zum Chorleiter gewählt. Georg Stumpf, der bis zu diesem Zeitpunkt dieses Amt innehatte, wurde Rechner und Kassierer. Jakob Dechent wurde Schriftführer und zeichnete sich besonders durch das Schreiben und Umschreiben von Noten aus. Ludwig Mann war nicht nur Beisitzer, sondern auch Theatermann Nummer eins. Erwähnenswert ist auch einer der Vorstandbeschlüsse dieser Zeit, wonach den beiden ehrenamtlichen Dirigenten Kühne und Weyrich für ihre uneigennützige Tätigkeiten, das Gemälde „Böcklins Einsiedler“ als Geschenk überreicht werden sollte. In der Generalversammlung im gleichen Jahr, am 20. März, im Vereinslokal Stofft war die Anschaffung einer Vereinsstandarte Hauptpunkt. Im Verlauf der Versammlung wurde der Auftrag zur Herstellung an die Firma Julius Ludwig in Frankenthal für 360 Mark vergeben. Zu den Veranstaltungen, die der Posaunenchor durchführte gehörten auch die so genannten Winterveranstaltungen. Von der am 26. Januar 1930 stattfindenden ist bekannt, dass es sich hierbei um ein Konzert des Vereins gemeinsam mit dem Mädchenbund handelte, an dessen Anschluss noch zu einem Ball eingeladen wurde. Die damaligen Eintrittspreise lagen für Nicht-Mitglieder bei 0,20 Mark für Frauen und 0,50 Mark für Männer. Für den anschließenden Ball um 24 Uhr mussten die Herren dann sogar 1 Mark bezahlen.

Neben diesen Winterveranstaltungen gab es auch erste Kirchenkonzerte unter Mitwirkung auswärtiger Organisten, Sängern und dem Aktiven Johann Grünewald mit seinem Cello.

Am 29. Mai 1932 konnte der Verein dann sein 10-jähriges Jubiläum im Hof von Wilhelm Stofft gemeinsam mit befreundeten Vereinen feiern. Das Fest war durch eine allgemeine Schlichtheit geprägt. Zu diesem Zeitpunkt zählte der Posaunenchor 25 aktive und 206 inaktive Mitglieder. Auf Grund des kommenden Krieges fand die zunächst letzte Generalversammlung am 26. Januar 1937 statt. Lehrer August Krämer aus Weinheim übernahm nach Herrn Weyrich den Dirigentenstab bis zum Ausbruch des Krieges. Die Richtlinie der Satzung, nicht an politischen Veranstaltungen teilzunehmen, wurde so gut es ging eingehalten, das 20-jährige Jubiläum musste kriegsbedingt ausfallen.

Nach dem Krieg, im November 1945, wurde die Chortätigkeit durch Michael Stumpf, Franz Matteis, Fritz Müller, Johann Christ, Heinrich Dürk, Jakob Müller, Willi Albert, Philipp Balz, Friedrich Schön, Philipp Wasser, Ludwig Schäfer und Heini Müller wieder aufgenommen. Bis Februar 1946 dirigierte August Krämer. Ab Februar 1946 übernahm Lehrer und Organist Johann Weber als Dirigent den Chor. Bis zum Jahre 1948 fanden mit Jakob Dechent als letzten ehemaligen Aktiven, fast alle den Weg zu ihrem Posaunenchor zurück. Aus einer Instrumentenauflistung geht hervor, dass es neben den choreigenen Instrumenten auch solche aus dem Krieger- und Soldatenverein Uffhofen gab.

Auch, oder erst recht, als Chor der evangelischen Kirchengemeinde Flonheim verließen die Aktiven nie die von den Gründern gewählte Richtung. Einer der ersten Höhepunkte nach dem Krieg war das 30-jährige Stiftungsfest am 10./11. Mai 1952.

An Stelle des 1942 verstorbenen Pfarrer und Dekans Chantré trat der neue Pfarrer Irle. In seiner Festansprache, deren Inhalt vom Gedenken an Gefallene und Vermisste geprägt war, sprach er aber auch von seltener Treue und beispiellosem Idealismus der Aktiven des Vereins. Besonders erwähnte er den Dirigenten Weber, der das schwere Amt als Nachfolger von Rektor Weyrich und Lehrer Krämer trug. Die Verdienste Fritz Müllers, den er als Säule des evangelischen Posaunenchores bezeichnete, und seiner Altersgenossen der ersten Stunde, würdigte Pfarrer Irle ebenso. Im weiteren Verlauf seiner Rede stellte er das deutsche Volkslied, den deutschen Choral und den deutschen Marsch auf eine Ebene und meinte, dass alle drei gepflegt werden müssten. Das Bedürfnis sich an dieser Pflege aktiv zu beteiligen, war in der damaligen Jugend recht ausgeprägt, denn Irle drückte sein Bedauern über den Umstand aus, dass auf Grund von Instrumentenmangel, nur wenige junge Leute dem Verein beitreten konnten. Seinen stärksten Zuwachs bis dahin verzeichnete der Verein 1954, als neun gewillte Musiker beitraten.

Am 13. Februar 1962 feierte der Chor dann seinen 40. Geburtstag mit einem Festgottesdienst in der Kirche. Die Festansprache hielt Oberkirchenrat H. Becker aus Darmstadt. Auf dem Marktplatz fand ein Choralblasen statt und am Nachmittag eine Feier mit befreundeten Vereinen. Die Begrüßungsansprache hielt Pfarrer Hauf.

Nach drei Jahren Musikstunde in dem Kindergarten und bis zum Krieg bei dem Mitglied Wilhelm Stofft in der Kasinostube, traf man sich zwei Mal pro Woche in der Volksschule Flonheim zum Üben. Bis zur Erstellung des Jugendheimes im Jahr 1966. Dort fand der Posaunenchor das, was die Gründer 1924 schon wollten: ein Heim.

Im Jahr 1970 legte nach 41 Jahren Chorleitertätigkeit Fritz Müller sein Amt nieder. Sein Nachfolger wurde Karl-Heinz Nöhrbass bis zum 29. März 1971. Ab diesem Zeitpunkt vertrat Philipp Müller als Vertrauensmann bis zum 3. Januar 1972 den Chor. Ab der Generalversammlung am 3. Januar 1972 übernahmen wieder Karl-Heinz Nöhrbass als Chorleiter und Erich Schäfer als dessen Stellvertreter das Steuer. Auch an der Spitze gab es einen Wechsel, so übernahm Pfarrer Hilß das Amt. Nach ungefähr 25 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit gab Johann Weber den Dirigentenstab in jüngere, jedoch nicht unbekannte Hände. Der seit 1945 aktive und inzwischen staberfahrene Ludwig Schäfer aus Bornheim wurde neuer Dirigent. Seine erste Herausforderung war das 50-jährige Jubiläum am 6./7. Mai 1972.

Mitwirkende am Jubiläumstag waren der katholische Kirchenmusikverein „Cäcilia“ Flonheim und die Schäferchöre Biebelnheim, Gabsheim, Spiesheim und Weinheim.

In der Generalversammlung am 6. Januar 1975 wurde beschlossen, die Übungsstunden von Montag auf Dienstag zu verlegen, dieser Wochentag hat sich bis heute nicht geändert. Auch der MGV 1844 hatte seine Singstunde dienstags und somit war der Montag für andere Vereine oder Versammlungen frei.

Mit dem steigenden Freizeitangebot in allen Bereichen, gingen vor allem die zahlreichen jungen Bläser mit ihrem Engagement für den Chor immer gleichgültiger um. Schlechter Besuch und immer kürzere Verweildauer im Chor waren wohl mit ein Grund dafür, dass in einer außerordentlichen Generalversammlung am 10. Juni 1975 Karl-Heinz Nöhrbaß und sein Vertreter Erich Schäfer ihre Ämter niederlegten. Beide Herren blieben aber treue Chormitglieder. An ihre Stellen wurde Karl-Heinz Dehos mit seinem Stellvertreter Karl-Wilhelm Lied gewählt.

Zu den Höhepunkten während der Amtszeit der beiden Herren gehörten einige besondere Ereignisse in der Geschichte des Vereines. So die Verbindung des Posaunenchores mit der Musikkapelle Hawangen, die bis heute besteht. Der Ausflug zur Partnergemeinde nach Villenauxe, sowie das dortige Konzert 1977 und das 60-jährige Jubiläum des Chores vom 21. bis zum 23. Mai 1982.

Anlässlich dieses Jubiläums hatte der Verein ein umfangreiches Programm aufgestellt, zu dem auch die Hawangener Musikfreunde beitrugen. Eine unvergessene Weinprobe im Jugendheim nach vorangegangenem gemeinsamen Abendessen aller Gastgeber und Gäste im Jugendheim. Am Samstag ein Fototermin vor der Kirche, anschließend Totenehrung auf dem Friedhof, abends ein Konzert in der Gemeindehalle bis ungefähr 22 Uhr, danach Unterhaltungsmusik durch die Hawangener. Am Sonntag dann ein Festgottesdienst mit Unterstützung der Gäste aus Hawangen. Nach dem Mittagessen Verabschiedung der Freunde mit einem Platzkonzert des Posaunenchores.

Am 14. Januar 1986 kandidierten die Herren Dehos und Lied nicht mehr. Bei seinem Rückblick über die vergangenen zehn Jahre, lobte der Chorleiter besonders seinen Stellvertreter und Pfarrer Hilß, sowie die Damen und Herren der Kirchengemeindevertretung aus Flonheim und Uffhofen für ihr allzeit offenes Ohr, wenn es um die Anliegen des evangelischen Posaunenchores ging.

Die Auftritte des Vereins wurden von Jahr zu Jahr immer mehr und damit auch die Arbeit des Vorstandes. Für den alten Brauch, das mittlerweile zum festen Bestandteil bei der Planung gehörende Turmblasen in der Adventszeit, wieder aufzunehmen, wenn auch in anderer Form, kamen die Impulse von Ralf Bley, der 1988 den Posten des Chorleiters übernommen hatte. Ein Fastnachtsumzug in Mannheim und viele Beteiligungen bei Veranstaltungen und Umzügen forderten die Aktiven und den Vorstand. Bei der Generalversammlung am 4. Januar 1990 stellte der Chorleiter in seinem Tätigkeitsbericht 104 Zusammenkünfte fest.

In einer außerordentlichen Generalversammlung am 4. April 1995 tritt Herr Bley als Chorleiter zurück. Sein Engagement war beispielhaft. Ab diesem Tag wurden Gerhard Schaupp und Erhard Wolf die neuen Vorsitzenden. Schaupp war leider nicht lange Chorleiter, denn nach sieben Monaten legte er aus beruflichen Gründen das Amt nieder. Wenn auch nicht als Vorsitzender, so doch ganz bestimmt als Ansager vieler Veranstaltungen wird er dem Posaunenchor noch lange in Erinnerung bleiben.

An der Generalversammlung am 9. Januar 1996 verkündete Dirigent Schäfer nach 25 Jahren Dirigentschaft die Freigabe seines Postens. Nach angeregter Diskussion und mahnender Worte seitens der älteren Aktiven und des Pfarrers an die Aktiven, den Vorstand besser zu Unterstützen und mehr Bereitschaft zu zeigen, konnte man Harald Dick als Chorleiter gewinnen, der auch noch bis heute den Posten des ersten Vorsitzenden inne hat. Ihm stand damals Erhard Wolf weiterhin zur Seite. Der Vorschlag Schäfers, den mittlerweile als Berufsmusiker bei der Bundeswehr angestellten Alexander Mitesser als seinen Nachfolger einzusetzen, wurde ohne Gegenstimmen angenommen.

Bei dem Frühlingskonzert in der Radsporthalle in Uffhofen am 4. Mai 1996 fand dann der Stabswechsel statt. Ludwig Schäfer verstand es, Tradition und Wünsche der Jugend zum Wohle des Posaunenchores zu vereinen und wird so durch seine großen Verdienste als Dirigent, aber auch als Musiker dem Verein immer in Erinnerung bleiben.

Zu allen Zeiten hatte der Verein, und hat es auch immer noch, ein gutes Verhältnis zu seiner Kirche und den Pfarrern. Die Gründer des Posaunenchores waren die ersten, die derzeitigen Aktiven werden bestimmt nicht die letzten sein.

Von Karl-Heinz Dehos, Januar 1997

(überarbeitet von Saskia Knell)

Quelle der Bilder: EPC